Kirche St. Bonifatius
Die Kirche St. Bonifatius ist, obwohl sie erst 1845 bis 1849 erbaut wurde, das älteste Gotteshaus Wiesbadens, abgesehen von einigen Kirchen in eingemeindeten Vororten der Stadt. Der Entwurf stammt vom nassauischen Oberbaurat Philipp Hoffmann, dem Wiesbaden auch die Griechische Kapelle auf dem Neroberg verdankt.
Die Grundsteinlegung erfolgte am 5. Juni 1845, dem Tag des Hl. Bonifatius. Am 19. Juni 1849 weihte der Limburger Bischof Peter Josef Blum die neue Kirche, die damals noch nicht die heutigen 65 m hohen markanten Türme auf der Portalseite hatte - diese kamen erst 1866 hinzu.
Die Bauanlage bildet ein lateinisches Kreuz aus einem dreischiffigen, im Chor halbkreisförmig abschließenden Langhaus, das von einem ebenfalls dreischiffigen Querbau vor dem Chor durchschnitten wird. Romanische und gotische Bauformen sind miteinander verbunden. Das Mittelschiff einschließlich Chorraum ist 62 m lang und 24 m breit, das Querhaus hat eine Länge von 30 m und ist ebenfalls 24 m breit. Die Höhe des Innenraums beträgt 18 m.
Das Geläut besteht aus 6 Glocken. Drei Glocken aus Bornhofen aus dem 19. Jahrhundert in den Tönen d', fis' und g'. 1962 kamen drei weitere Glocken hinzu, die 60 Zentner schwere Josefsglocke mit dem Ton h°, die 13 Zentner schwere Bonifatiusglocke im Ton a' und die 8,4 Zentner schwere Mauritiusglocke mit dem Ton h'.
Die heute vorhandenen Kirchenfenster und Rosetten hat Maler und Glasbildner Johannes Beeck (Nettetal) entworfen, sie wurden in der Glasbildner-Werkstatt Derix in Taunusstein gefertigt. Sie haben die Sendung des Heiligen Geistes in die Welt von heute zum Thema.
Die Kreuzigungsgruppe, die sich im Chorraum befindet, hat der Biebricher Bildhauer Karl Hoffmann geschaffen. Von ihm stammen auch die beiden Statuen in den Arkadenbögen des Chorraumes zu beiden Seiten des Altares, Hl. Franziskus von Assisi und Hl. Theresia von Avila.
Die Sakristei befindet sich im Chorumgang, daran schließen sich zwei Kapellen an: die Taufkapelle und die Sakramentskapelle. Die Inschrift des modern gestalteten Tabernakels in der Sakramentskapelle lautet "Hic est panis qui de coelo descendit", dies heißt übersetzt "Hier ist das Brot, das vom Himmel herab kommt". Ein schmiedeeiserner Leuchter symbolisiert den brennenden Dornbusch (2. Buch Mose).
Erwähnenswert sind des Weiteren die als mittelalterliche Fresken gestalteten Bilder des Kölners Elmar Hillebrand aus dem Jahr 1985 und die Kapitelle der acht Säulen, sie sind zwischen 1981 und 1990 entstanden und das Werk von Walter Hutz, einem Schüler Hillebrands. Sie erinnern in ihrer Gestaltung zwar an die Kapitelle romanischer Kirchen, haben jedoch durchaus moderne Themen wie die Partnerschaft der Pfarrei St. Bonifatius mit Gemeinden in Peru oder die neue Orgel von St. Bonifatius.
Der Hauptaltar ist ebenfalls von Elmar Hillebrand gestaltet mit Bronzetafeln, die Bilder aus der Heilsgeschichte zeigen. Auf der Vorderseite beispielsweise sind Kreuzigung und Auferstehung zu sehen, hier entwickeln sich aus dem Kreuzesstamm Ranken und Knospen, Blätter und Blüten.
Die Altarbilder der beiden Seitenaltäre zeigen den Hl. Bonifatius, gemalt vom Düsseldorfer Maler Alfred Rethel, und ein Marienbild, das Eduard von Steinle geschaffen hat.
Links neben dem Haupteingang befindet sich die Pietà, das Werk eines unbekannten Künstlers. Jeden Tag werden an dieser Stelle von Besuchern der Kirche viele Kerzen angezündet.
Der Kreuzweg in 15 Stationen aus Terrakotta an den Längswänden des Kirchenschiffes stammt von der Künsterin Lore Friedrich-Gronau aus dem Jahr 1991.
Die 1954 von Romanus Seifert/Kevelaer erbaute Orgel mit (III/36) erwies sich als für den Raum mit seinen 9 (!) Sekunden Nachhall als zu klein. 1985 wurde die Orgel durch die Firma Hugo Mayer unter Verwendung des vorhandenen Pfeifenmaterials neu erbaut. 1995 erhielt sie drei elektronische Bassregister (16' Violon, 32' Subbass, 32' Bombarde). Die Traktur ist mechanisch, die Manualkoppeln elektrisch. Die Nachhallzeit prädestiniert die Orgel für symphonische Musik.
Schatzkammer St. Bonifatius
In der Schatzkammer sind Altargeräte, Paramente, Reliquien und liturgische Bücher ausgestellt.
Altargeräte
Eucharistie (griech.: Danksagung) ist das von Christus gestiftete, von der katholischen Kirche unter Danksagung begangene Opfer und Mahl zum Gedächtnis des Herrn, in dem sein Tod und seine Auferstehung unter uns gegenwärtig werden.
Wortgottesdienst und Eucharistiefeier sind die Hauptteile der hl. Messe, die das Zentrum des Lebens der Kirche und ihrer Gemeinde ist. Während des Hochgebets der Eucharistiefeier werden die Mahlgaben Brot und Wein konsekriert, das heißt sie werden durch die vom Priester gesprochenen Wandlungsworte im Auftrag Christi in sein Fleisch und Blut gewandelt und von den Gläubigen gemeinsam im eucharistischen Mahl empfangen.
Altargeräte, wie zum Beispiel Kelche, Ziborien, Kustodien oder Monstranzen, die während der gottesdienstlichen Handlungen unmittelbar mit den eucharistischen Gaben in Berührung kommen, heißen Vasa Sacra (lat: heilige Gefäße). Sie dienen der Aufnahme, Spendung und Verehrung der eucharistischen Gaben. Die Kostbarkeit der Materialien und des oft aufwändigen Dekors bezeugt die ungeheure Wertschätzung der eucharistischen Gaben, wird aber seit dem frühen Mittelalter unter Hinweis auf das Kultgerät der Juden auch biblisch begründet.
Altargeräte, die bei der Messfeier und den sonstigen Gottesdiensten verwendet werden, aber mit den gewandelten Gaben nicht in Berührung kommen, heißen Vasa non Sacra (lat.: nicht heilige Gefäße). Sie können in Material, Gestaltung und Schmuck zurückhaltender sein. Messkännchen, Altarkreuz, Leuchter, Weihwaserkessel, Rauchfass oder Altarklingeln sind beispielhaft für diese Gruppe zu nennen.
Paramente
Unter Paramente (lat.: parare = bereiten) versteht man die ausschließlich im christlichen Kultus verwendeten Textilien. Der Begriff umfasst die liturgischen Gewänder und Insignien, die textile Ausstattung der liturgischen Geräte und Altäre sowie die an bestimmten Terminen gezeigten Gewebe zur Verschönerung des Kirchenraums, zum Beispiel Teppiche und Fahnen.
Eine einheitliche liturgische Kleidung entwickelte sich aus der Profankleidung der Römer und wurde im Laufe des frühen Mittelalters auf ihrem zum Teil noch heute gültigen Gebrauch festgelegt. Seither haben liturgische Gewänder den Sinn, auf die verschiedenen Rangstufen und Aufgaben derer, die einen besonderen Dienst am Altar versehen, hinzuweisen und den festlichen Charakter der liturgischen Feier hervorzuheben.
Das Messgewand, die Kasel (lat.: Hütte), ist dem zelebrierenden Priester bei der hl. Messe vorbehalten. Die Stola (lat.: langes Kleid), ein langes streifenförmiges, um die Schulter gelegtes Gewandstück, ist die wichtigste liturgische Insignie der Bischöfe, Priester und Diakone. Die Diakone tragen als liturgisches Obergewand die Dalmatik (lat.: langes Unterkleid). Vom Bischof wird sie bisweilen heute noch bei feierlichen Anlässen unter der Kasel getragen.
Wegen ihrer hohen Bedeutung für den Kultus bestehen Paramente vor allem in früheren Zeiten aus kostbaren und edlen Materialien und sind neben den Altargeräten, Reliquien udn liturgischen Büchern immer ein wesentlicher Teil des Kirchenschatzes.
Die verschiedenen Farben der liturgischen Kleidung verdeutlichen den besonderen Charakter der jeweils gefeierten Glaubensgeheimnisse sowie den Verlauf des Kirchenjahres.
Verpflichtenden Charakter bekam der Farbkanon durch die Reformen des Konzils von Trient (1545-1563). Die Neufestlegung beschänkte sich auf die fünf Hauptfarben: Weiß, Rot, Grün, Violett, Schwarz. Im 18. Jahrhundert lockerten sich die Vorschriften und erlaubten wie schon im Spätmittelalter Nebenfarben. Bei den gemusterten Paramenten wird die liturgische Farbe durch den Stoffgrund bestimmt.
Seit dem II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) ist folgender Farbkanon vorgeschrieben: Weiß, Rot, Grün, Violett, Rosa.
Reliquien - Reliquiare
Als Reliquien (lat.: reliquiae = Überreste) bezeichnet man Überreste der Körper von Heiligen. Im weiteren Sinn sind Reliquien aber auch Gegenstände, die durch den Gebrauch der Heiligen im Leben, zum Beispiel Kleidung, oder durch Berührung mit ihrem Leichnam geheiligt sind, beispielsweise ein Grabtuch oder Graberde.
Schon immer steht der Reliquienkult in engem Zusammenhang mit der Verehrung der Heiligen, die über ihre Reliquien angerufen werden. Der Reliquienkult begann mit dem Kult der frühchristlichen Märtyrer. Man feierte Eucharistie an den Gräbern berühmter Glaubenszeugen, übertrug ihre Gebeine in die Kirchen und errichtete Altäre über ihren Grabstätten.